Kroatische Sprache
Die kroatische Sprache (Kroatisch)
ist eine Sprache, die zur
südslawischen Untergruppe des slawischen Zweigs der indogermanischen
Sprachen zählt.
Kroatisch wird von ca. 7 Millionen Menschen als
Muttersprache gesprochen und ist die Amtssprache der Republik
Kroatien und (eine der drei Amtssprachen) in Bosnien und
Herzegowina, sowie eine der sieben Amtssprachen in der autonomen
Region Vojvodina in Serbien und Montenegro. Ferner ist die
kroatische Sprache auch als regionale Amtssprache im
österreichischen Bundesland Burgenland (kroat. Gradišce) anerkannt,
wo bereits seit Jahrhunderten eine kroatische Minderheit lebt (vgl.
Burgenlandkroatisch). In Kroatien gaben bei der Volkszählung von
2001, 4.265.081 Menschen (96,12% der Einwohner) das Kroatische als
Muttersprache an.
Die kroatische Standardsprache basiert auf dem
neuštokavischen Dialekt mit Einflüssen des kajkavischen (kajkavski)
sowie des cakavischen (cakavski) Dialektes und verwendet das
lateinische Alphabet.
Sie ist in ihren Grundlagen ähnlich mit der
serbischen und der bosnischen Standardsprache, da sich alle drei auf
der Grundlage des Neuštokavischen entwickelt haben. Früher wurde sie
in Jugoslawien und im Ausland oft unter dem Begriff „Serbokroatisch“
zusammengefasst. Dies ist auf das Abkommen von Novi Sad (Serbien)
zurückzuführen, in dem 1954 durch die internationalistischen
Bestrebungen der kommunistischen Partei hin beschlossen wurde, daß
die kroatische, serbische und montenegrinische Sprache nurmehr eine
Sprache sind. Gewiß, mit einigen Ausnahmen. Einerseits wurden zwei
Aussprachemöglichkeiten anerkannt, die ijekawische und die ekawische
Aussprache, andererseits wurde der Gebrauch unterschiedlicher
Schriften gestattet, der lateinischen, wie auch der kyrillischen
Schrift. Dieser Beschluß führte letztlich zu großem Unmut in der
kroatischen Bevölkerung. Beachtenswert ist außerdem, daß es der
slowenischen Volksgruppe gelang, diesen Beschluß abzulehnen, sodaß
diese ihre sprachliche Eigenständigkeit im Vielvölkerstaat
Jugoslawien bewahren konnten.
Seit der staatlichen Unabhängigkeit Kroatiens wurde
die kroatische Standardsprache auch im Ausland weitgehend
anerkannt.
Die Wissenschaft, die sich mit der kroatischen
Sprache befasst, ist die Kroatistik.
Verbreitung und Dialekte
Kroatisch wird von ca. 4,8 Millionen Menschen in
Kroatien und in Teilen Bosnien und Herzegowinas, insbesondere in der
Herzegowina, Zentralbosnien und des bosnischen Posavina, als
Muttersprache gesprochen. Es ist Amtssprache in Kroatien sowie
(zusammen mit Bosnisch und Serbisch) in Bosnien und Herzegowina.
Darüber hinaus wird es unter anderem im
süditalienischen Molise[1] und im österreichischen Burgenland und in
der Vojvodina als regionale Minderheitensprache gesprochen. Das
Burgenlandkroatische besitzt jedoch eine eigene schriftsprachliche
Norm, die im Gegensatz zu der in Kroatien verwendeten
Standardsprache vorwiegend auf dem cakavischen Dialekt aufbaut und
auch eine eigene Fachterminologie entwickelt hat.
Die Dialekte des Kroatischen werden in drei
Großgruppen eingeteilt, die nach der jeweiligen Form des Fragewortes
was (ca, kaj, što) benannt sind: Cakavisch (Kroatisches Küstenland,
Istrien, Küstengebiete Nord-und Mitteldalmatiens sowie die meisten
Inseln, Burgenland), Kajkavisch (nördlich von Kupa und der oberen
Save) und Štokavisch (südliches Dalmatien, Bosnien und Herzegowina
und Slawonien). Das Štokavische wird auch von den Bosniaken und der
Mehrheit der Serben gesprochen und bildet die Grundlage der
kroatischen und ebenso der bosnischen und serbischen
Schriftsprache.
Der Language Code ist hr (nach ISO 639); der Code
für "Serbokroatisch" war sh (2000-02-18 zurückgezogen).
Wortakzent
Kroatisch verfügt über einen melodischen Wortakzent
(engl. pitch accent) und zählt damit zu den Tonsprachen. Dies
Bedeutet, dass die Tonhöhe der betonten Silbe eine Rolle spielt, und
auch zur Bedeutung eines Wortes beiträgt. In der Standardsprache
werden ein hoher und ein tiefer Ton unterschieden.
Neben der Tonhöhe stellt auch die Länge der Silbe
ein phonologisches Merkmal dar. Die Tonhöhe in Kombination mit der
Länge bilden damit in der kroatischen Standardsprache ein System von
vier unterschiedlichen Wortakzenten.
Die Akzentstelle im Kroatischen ist nicht allgemein
festgelegt (wie zum Beispiel im Tschechischen, wo grundsätzlich die
erste Silbe eines Wortes akzentuiert wird). Zur Kennzeichnung der
Akzentstelle und der Akzentart in der Schrift werden in der
Slawistik und der kroatischen (linguistischen) Literatur folgende
Diakritika verwendet (am Beispiel des Vokals a):
kroatische
Schreibweise Lautschrift Beschreibung
a [a] unbetonter kurzer Vokal
a [a?] unbetonter langer Vokal
à [a] kurz-steigender Akzent
á [a?] lang-steigender Akzent
? [â] kurz-fallender Akzent
? [â?] lang-fallender Akzent
Anmerkung: Da im Kroatischen auch das /r?/ einen
silbischen Laut darstellt, kann der Wortakzent auch auf diesen Laut
fallen. Dadurch können die oben angegebenen Akzentzeichen nicht nur
auf den Vokalen sondern auch auf dem Buchstaben r geschrieben
werden.
Der Wortakzent in den unterschiedlichen Dialekten
des Kroatischen unterscheidet sich teilweise sehr vom Akzentsystem
der Standardsprache. Dadurch kommt es zu regionalen Unterschieden,
auch in der Realisierung der Standardsprache.
Grammatik
Das Kroatische besitzt sieben Fälle (Kasus): neben
den auch im Deutschen bekannten Nominativ, Genitiv, Dativ und
Akkusativ sind dies: Vokativ, Lokativ und Instrumental.
Mittelalter
Eine kroatische Schriftsprache begann sich im 9.
Jahrhundert parallel zur altkirchenslawischen Sprache, in der die
Liturgie gehalten wurde, zunächst auf der Grundlage des Cakavischen
zu entwickeln.
Eines der bedeutendsten Schriftzeugnisse aus dieser
Zeit ist die Bašcanska ploca aus dem Jahr 1100. Diese in der
romanischen St. Lucija-Kapelle nahe der Stadt Baška auf der Insel
Krk entdeckte beschriftete Steinplatte trägt eine Inschrift in
glagolitischer Schrift. Beschrieben wird die Souveränität des
kroatischen Königs Zvonimir als Stifter der Kapelle.
Gregor von Nin (Grgur Ninski). Starker Verfechter
des Gebrauches der kroatischen Volkssprache in der MesseDie
mittelalterlichen kroatischen Texte sind in drei verschiedenen
Schriften verfasst: in der Glagoliza, der Kyrilliza (deren früher in
Teilen Kroatiens und in Bosnien übliche Form als Bosancica
bezeichnet wird) und der lateinischen Schrift. Ab dem 16.
Jahrhundert setzt sich immer mehr die lateinische Schrift durch.
Die ältesten Dokumente in kroatischer Sprache sind
im cakavischen Dialekt verfasst, z. B. der Istarski Razvod
(Istrisches Gesetzbuch) aus dem Jahr 1275 und der Vinodolski zakonik
(Gesetzbuch von Vinodol), der 1288 verfasst wurde.
Das erste gänzlich im štokavischen Dialekt
geschriebene Buch ist der Vatikanski hrvatski molitvenik
(Vatikanisches kroatisches Gebetbuch), der in Dubrovnik um das Jahr
1400 entstand.
Das kroatisch-glagolitische Missale Missal kneza
Novaka wurde im Jahr 1483 gedruckt und ist somit das erste gedruckte
südslawische Buch überhaupt.
Die Entwicklung der Hochsprache in der Renaissance
und im Barock
Im Zeitalter der Renaissance wurden in Städten wie
Split, Dubrovnik, oder Zadar Schriftstücke in lokalen Dialekten
verfasst.
Die ersten Ansätze der Bildung einer Hochsprache
schuf Faust Vrancic in seinem Wörterbuch „Dictionarium quinque
nobilissimarum Europae linguarum—Latinae, Italicae, Germanicae,
Dalmati[c]ae et Ungaricae“ im Jahr 1595. Das erste die Grammatik
vereinheitlichende Werk schuf Bartol Kašic: „Institutionum linguae
illyricae libri duo“, im Jahr 1604.
Der Jesuit Bartol Kašic übersetzte in den Jahren
1622- 1636 die Bibel in die kroatische Sprache (in den
štokavisch-ijekavischen Dialekt). Die Werke von Kašic hatten einen
besonders großen Einfluß auf die Entwicklung der kroatischen
Hochsprache.
Die bedeutendsten literarischen Vertreter des
Barock sind Ivan Gundulic (1589-1638), Ivan Bunic und Junij Palmotic
(1607 –1657), die ihre Werke im in Dubrovnik gebräuchlichen
ijekavisch-štokavischen Dialekt verfassten. Deren Sprache ist in
ihren Grundlagen, ebenso wie die Sprache Kašics, mit der heutigen
kroatischen Standardsprache vergleichbar.
Literatur
Leopold Auburger (1999): Die kroatische Sprache und
der Serbokroatismus, ISBN 3-873-36009-8
Ivo Frangeš (1999): Die
Geschichte der kroatischen Literatur, ISBN 3-412-08995-8
Mario
Grcevic (1997): Die Entstehung der kroatischen Literatursprache,
ISBN 3-412-16196-9
Miro Kacic (1997): Kroatisch und Serbisch,
Irrtümer und Falsifizierungen. In Zusammenarbeit mit Ljiljana Šaric;
Übersetzung aus dem Kroatischen Wiebke Wittschen, ISBN 953-6602-01-6
Barbara Kunzmann-Müller (2002): Grammatikhandbuch des
Kroatischen unter Einschluss des Serbischen, ISBN 3-631-39687-2
Milan Moguš (2001): Die Geschichte der kroatischen
Literatursprache. Übersetzt von Nicole Emmerich unter Mitarbeit von
Mario Grcevic, ISBN 953-167-125-7
"Hrvatski naš
(ne)zaboravljeni" (Das Kroatische, unsere (un)vergessene Sprache),
Stjepko Težak, 301 S., knjižnica Hrvatski naš svagdašnji (knj. 1),
Tipex, Zagreb, 1999, ISBN 953-6022-35-4 (kroatisch).