Italienische Sprache
Die Italienische Sprache (Italienisch)
ist eine Sprache aus dem romanischen
Zweig der indogermanischen Sprachen. Innerhalb der romanischen
Sprachen gehört das Italienische zur Gruppe der italoromanischen
Sprachen. Unter den großen romanischen Sprachen steht die
italienische Sprache dem Lateinischen in Lautung, Vokabular und
Grammatik am nächsten.
Es wird von etwa 70 Millionen Menschen als
Muttersprache oder zweite Muttersprache gesprochen, von denen der
größte Teil in Italien lebt. Als zweite Muttersprache oder als nah
verwandte Fremdsprache sprechen es unter anderem die Sarden, die
Friauler, die Südtiroler und Trentiner Ladiner. Für die
deutschsprachigen Südtiroler, die albanische Minderheit und andere
Volksgruppen, wie die Slowenen im Hinterland von Monfalcone und
Triest, ist es eine Fremdsprache.
Italienisch ist Amtssprache in folgenden
Staaten:
Italien (etwa 55 Mio. Muttersprachler)
Schweiz
(etwa 350.000 Muttersprachler)
San Marino
Vatikanstadt
Außerhalb der Landesgrenzen wird die italienische Sprache
beziehungsweise italienische Mundarten in folgenden Regionen
gesprochen:
Kanton Tessin
Graubünden
Korsika
Istrien
Dalmatien, insbesondere in Split, dem ehemaligen
Spalato. Insbesondere alte Menschen sind hier noch häufig
zweisprachig.
Nizza (Anmerkung: Obwohl Nizza historisch viele
Verbindungen zu Italien hat, gehört die dort gesprochene Sprache zum
Okzitanischen. Gleichwohl leben in Nizza viele Italiener bzw.
Italienischstämmige.)
Fürstentum Monaco (Anmerkung: die
Monegassen sprechen wie die Bewohner San Remos eine romanische
Sprachvariante, die dem Provençalischen näher steht als dem
"florentinischen" Italienisch.)
in Somalia und Eritrea dient
Italienisch neben dem Englischen als Handelssprache.
Es
existieren auch mehrere italienisch-sprachige Enklaven in Amerika,
vor allem in den USA, Argentinien und Brasilien. Zudem flossen
italienische Wörter in verschiedene Terminologien ein, z.B. in die
Musikersprache oder die Bankensprache.
Geschichte
Wie alle romanischen Sprachen stammt das
Italienische vom Lateinischen ab. Zu Beginn des Mittelalters, nach
dem Zusammenbruch des Römischen Reiches, blieb in Europa das
Lateinische die Amtssprache und die Sprache der Kirche. Das
Lateinische behauptete sich überdies als Schriftsprache. Gesprochen
wurde allerdings – auch, als das Römische Reich noch bestand – eine
vom Schriftstandard abweichende Sprachform, die man auch als
Vulgärlatein oder Sprechlatein bezeichnet. Hieraus entwickelte sich
die protoromanische Volkssprache und schließlich die romanischen
Einzelsprachen.
So entstanden in Italien und seinen Nachbarländern
neue Sprachen, z.B. die Oïl-Sprachen in Nordfrankreich, die
Oc-Sprachen in Südfrankreich und die Sì-Sprachen in Italien, so
benannt von Dante Alighieri nach der jeweiligen Bezeichnung für
„ja“.
Die ersten schriftlichen Zeugnisse des
italienischen volgare stammen aus dem späten achten oder frühen
neunten Jahrhundert. Das erste ist ein Rätsel, das in der Biblioteca
Capitolare di Verona gefunden wurde und als Indovinello veronese
bezeichnet wird:
Se pareba boves, alba pratalia araba, versorio
teneba et negro semen seminaba.
[Sie] schob Rinder, bebaute
weiße Felder, hielt einen weißen Pflug und säte schwarzen Samen.
(Gemeint ist die Hand; Rinder = Finger, weiße Felder = Seiten,
weißer Pflug = Feder, schwarzer Samen = Tinte)
Die Verbreitung
des volgare wurde durch praktische Notwendigkeiten begünstigt.
Dokumente, die Rechtsangelegenheiten zwischen Personen betrafen, die
kein Latein beherrschten, mussten verständlich abgefasst werden. So
ist eins der ältesten Sprachdokumente des Italienischen das Placito
cassinese aus dem 9. Jahrhundert. Das Konzil von Tours empfahl 813,
die Volkssprache statt des Lateinischen bei der Predigt zu
verwenden. Ein weiterer Faktor war das Aufkommen der Städte um die
Jahrtausendwende, denn die Stadtverwaltungen mussten ihre Beschlüsse
in einer für alle Bürger verständlichen Form abfassen.
Jahrhundertelang lebten sowohl die italienischen
Volkssprachen als auch das Lateinische, das weiterhin von den
Gebildeten benutzt wurde, nebeneinander fort. Erst im 12.
Jahrhundert beginnt eine eigenständige italienische Literatur,
zunächst in Sizilien am Hof Friedrichs II (Scuola siciliana).
Schriftsteller prägten die weitere Entwicklung des Italienischen
entscheidend, da sie erst einen überregionalen Standard schufen, um
die Sprachdifferenzen zwischen den zahlreichen Dialekte zu
überwinden. In erster Linie ist hier Dante Alighieri zu nennen, der
eine leicht veränderte Form des florentinischen Dialekts in seinen
Werken verwendete. Großen Einfluss auf die italienische Sprache im
14. Jahrhundert hatten weiterhin Francesco Petrarca und Giovanni
Boccaccio, die man zusammen mit Dante als die tre corone der
italienischen Literatur bezeichnet.
Im 16. Jahrhundert wurde in der Questione della
lingua über Form und Status der italienischen Sprache diskutiert,
massgeblichen Einfluss hatten hier Niccolò Machiavelli, Baldassare
Castiglione und Pietro Bembo. Es setzte sich schließlich eine
historisierende Form der Sprache durch, die auf das Toskanische des
13./14. Jahrhunderts zurückgeht.
Die wirkliche Vereinheitlichung, besonders der
gesprochenen Sprache, erfolgte allerdings erst infolge der
nationalen Einigung.
Dialekte und Sprachen
Die einzelnen Dialekte des Italienischen
unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander, in einigen
Fällen ist ihr Status als Dialekt oder eigenständige Sprache auch
unter den Linguisten umstritten. Alle italienischen Dialekte und in
Italien gesprochenen romanischen Sprachen gehen unmittelbar auf das
(Vulgär-)Lateinische zurück. Insofern könnte man - etwas überspitzt
- auch alle romanischen Idiome Italiens als "lateinische Dialekte"
bezeichnen. Die italienischen Dialekte stellen also nicht etwa
degenerierte Formen des Italienischen dar, sondern verfügen über
eine eigene Sprachgeschichte. Man unterscheidet nord-, mittel- und
süditalienische Dialekte. Die Dialektgrenzen liegen entlang einer
Linie zwischen den Küstenstädten La Spezia und Rimini sowie Rom und
Ancona. Einige italienische Dialekte wie das Sizilianische oder
Venezianische können zudem auf eine eigene literarische Tradition
verweisen (die sogenannte Scuola siciliana zur Zeit Friedrichs II),
weshalb gelegentlich auch eine Einordnung dieser (und weiterer
Dialekte) als eigenständige Sprache postuliert wird. Auch in
Lautbildung und Wortschatz weist das Sizilianische so viele
Eigentümlichkeiten auf, dass es eher eine dem Italienischen nah
verwandte Sprache ist.
Hingegen ist die Einordnung beispielsweise des
Sardischen oder Ladinischen (Dolomiten, Friaul) als Einzelsprache in
der Sprachwissenschaft mittlerweile anerkannt. Das Friaulische steht
anders als seit Mussolini offiziell dargestellt dem Französischen
näher als dem Italienischen.
Beziehung Laut-Buchstabe
Die italienische Rechtschreibung spiegelt den
Lautstand ähnlich wie die spanische oder die rumänische einigermaßen
genau wider. Das heutige Italienisch gebraucht 21 Buchstaben des
lateinischen Alphabets. Die Buchstaben k, j, w, x, y kommen nur in
Latinismen, Gräzismen oder Fremdwörtern vor. Das j findet sich in
historischen Texten zuweilen für ein (heute nicht mehr
geschriebenes) doppeltes i. Anders als im Spanischen kennt das
Italienische keine durchgehende Kennzeichnung der betonten Silbe.
Lediglich bei endbetonten Wörtern wird ein Gravis (`) (Beispiel:
martedì, città, ciò, più), bei e je nach Aussprache ein Akut (´)
oder Gravis (`) gesetzt. (Beispiel: perciò, perché). In sehr
seltenen Fällen wird auch bei a und o der Akut gesetzt. Der
Zirkumflex findet sich zuweilen in Texten um die Verschmelzung
zweier i anzuzeigen, Bsp. i principi (die Fürsten, von principe) vs.
i principî (die Prinzipien, aus principii, von principio). Zur
Klarheit wird der Akzent hin und wieder zur Bedeutungsunterscheidung
gebraucht, teilweise auch in Wörterbüchern oder auf Landkarten.
Die Buchstaben g, c und Buchstabenkombinationen mit
sc
Folgende Buchstabenkombinationen der italienischen
Rechtschreibung sind besonders zu beachten:
Folgt auf den Buchstaben g ein e oder ein i, so
wird dieses g wie dsch (IPA: [d?]) ausgesprochen
Folgt auf den
Buchstaben c ein e oder ein i, so wird dieses c wie tsch (IPA: [t?])
ausgesprochen
Sollte auf das i direkt ein weiterer Vokal folgen,
bleibt es stumm - es führt zu der oben beschriebenen Veränderung des
g bzw. des c, wird aber selbst nicht gesprochen
Das h bleibt
immer stumm, dadurch kann z. B. die beschriebene Wirkung von e oder
i aufgehoben werden: d. h. Spaghetti wird /spa'get-ti/
ausgesprochen. Spagetti (ohne h) würde wie /spa'd?et-ti/
ausgesprochen werden.
g und c vor a, o, u werden wie [g] bzw.
[k] ausgesprochen.
Die angeführten Regeln gelten auch im Falle
der Doppelkonsonanten (siehe dort) gg und cc: bocca /'bok-ka/,
baccello /ba't-t??l-lo/, bacchetta /ba'k-ket-ta/, leggo /'leg-go/,
leggio /'led-d?o/
Ähnlich verhält es sich mit der
Buchstabenkombination sc(h): scambio /'skambio/, scopa /'skopa/,
scuola /'skw?la/, schema /'skema/, schivo /'skivo/, aber: scienza
/'??ntsa/, sciagura /?a'gura/. [?] entspricht der deutschen
Buchstabenkombination sch.
Die Buchstabenfolge gl entspricht
einem mouillierten "l",(soeben italienische sprache), einer engen
Verschmelzung der Laute [l] und [j] (IPA: [?] ), etwa wie in
"brillant", "Folie".
Die Buchstabenfolge gn entspricht einem
mouillierten "n", einer engen Verschmelzung der Laute [n] und [j]
(IPA: [?]), etwa wie in "Kognak".
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